Zitronenmelisse (Melissa officinalis L.)

Vortrag im Klostergarten der Landesgartenschau Winsen / Luhe am 29. 07. 2006

 
„binsuga“ („Bienensaug“) ( Melissa im Griechischen bedeutet Honigbiene)

 

Zitat:
 „Die Melisse ist warm. Der Mensch, der sie isst, lacht gern, weil ihre Wärme die Milz berührt und daher das Herz erfreut wird........“
Sie soll auch gesagt haben „Eine Tasse Melissentee vor dem Schlafengehen getrunken bringt gute Träume“.

Allgemein wird behauptet: Die Melisse ist eine beliebte Heil-, Gewürz- und Duftpflanze. Sie ist ein gutes Mittel gegen Neuralgien, Müdigkeit und Migräne. Dass diese eher unscheinbare Pflanze aber ein weitaus größeres Wirkungsspektrum hat und ungeahnte therapeutische Möglichkeiten bietet, ist auch der Grund, weshalb sie vom Verein NHV Theophrastus zur Heilpflanze des Jahres 2006 gekürt wurde. Damit soll das alte Wissen um die Heilkraft dieser bescheidenen Pflanzen weiter vermittelt und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Bei Kennern erfreut sie sich ohnehin ungebrochener Beliebtheit.

Botanik
Die Melisse bzw. Zitronenmelisse (Melissa officinalis) gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) und stammt aus Südeuropa, östl. Mittelmeergebiet.
Die Pflanze, etwa 30 bis 70 cm hoch, ist ausdauernd und zumeist stark verästelt. Sie hat ei- bis herzförmige Blätter.  Typisch: vierkantige Stengel, weißlichgelbe oder auch reinweiße Blüten, die in den Achseln der oberen Blätter angeordnet sind. Bevorzugt warmen, hellen Standort mit humosem, eher feuchtem Boden, ist aber sehr anpassungsfähig auch auf sandigen Böden, kommt bei uns nicht in der freien Natur vor. Blütezeit: (Juni), Juli, August
Mehr als 20 volkstümliche Namen sind für die Melisse bekannt, u. a. Bienenkraut, Riechnessel, Frauenkraut oder Herztrost. Daraus lassen sich schon bestimmte Wirkungen ableiten bzw. Einsatzmöglichkeiten vermuten. Abgeleitet aus der Signaturenlehre  wurde die Melisse aufgrund der herzförmigen Blätter für ein Herzmittel gehalten. Bienenkraut oder Bienensaug bezeichnet die außerordentliche Anziehungskraft der Blüten für Bienen. Im Altertum wurde die Melisse zunächst als Bienenfutterpflanze kultiviert und eine wichtige Bienenweide ist sie auch heute noch.

Arzneilich verwendete Pflanzenteile
Blätter (frisch oder getrocknet) und das daraus bereitete ätherische Öl (Oleum Melissae, 0, 8 %,  mit den Hauptbestandteilen Citronellal, Citral und Caryophyllen).
–hoher Preis (1kg Öl = 6000,-- Euro)
Weitere wirksame Inhaltsstoffe
gerbstoffähnliche Verbindungen, Flavonoide, diverse Säuren (Triterpensäure, Urolsäure, Rosmarinsäure, Phenolcarbonsäure, Bernsteinsäure) und Bitterstoffe

Anwendung innerlich und äußerlich (Tee, Tinktur, Salben)

 

Heilwirkungen und Verwendung
Melisse wirkt entkrampfend, beruhigend, schlaf- und verdauungsfördernd, antioxidativ, antibakteriell und virustatisch (wissenschaftlich belegt, Beispiel Lippenherpes).

Melisse in der Pflanzenheilkunde
Die Zitronenmelisse war schon in der Antike bekannt und stand bei Griechen und Römern in hohem Ansehen. Die alten Pflanzenheilkundigen von Dioscorides über Galenus bis hin zu Paracelsus und Hildegard von Bingen  befassten sich mit der heilenden Anwendung der Melisse und berichteten über medizinische Erfolge.
Im 11. Jahrhundert n. Ch. wurde die Melisse von Arabern nach Spanien gebracht und fand dann Einzug in die Klostergärten. Erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts erfolgte bei uns der kultivierte Anbau. Folgende Anwendungsmöglichkeiten sind überliefert bzw. beschrieben:

Insektenstiche, Frauenleiden, Bauchschmerzen, Infektionen – Altertum
Herzleiden, Lepra, Podagra („Fußgicht“) – Mittelalter
Verdauungsbeschwerden, nervöse Magen- und Darmbeschwerden – Homöopathie
Herzarythmien, Blasenentzündung, Übelkeit in der Schwangerschaft, Ausbleiben der Regel, Wehenschmerzen – Aromatherapie
Beruhigung bei nervösem Herzen, Einschlafstörung, Reizüberflutung
Kräftigung nach Erkältung und Infektionskrankheiten – Hausmittel
Als sanfte Medizin für Körper und Seele ist die Melisse auch für Laien recht gut  und  einfach anwendbar.

Weitere Verwendungsmöglichkeiten
Als Erfrischungstee oder Badezusatz , als Duftkomponente in Blumenarrangements und Potpourries,

Süßspeisen und Getränke geschmacklich und optisch verfeinern (Bowle), als Sirup zum Süßen von Tee, erfrischendes Gewürz für Salate und Salatsoßen, Gemüse, Eintöpfe und Suppen, (Blätter feingehackt in Frischkäse)

Zwischen Beerensträucher gepflanzt, fördert sie die Bestäubung, Abwehr von Schädlingen

Volksglauben
Aus dem Volksglauben sind folgende Erzählungen überliefert:

 

Im Heilpflanzengarten Celle wächst die Zitronenmelisse an unterschiedlichen Standorten, insbesondere aber auf dem Themenbeet „Hildegard von Bingen“. Ich möchte Sie herzlich einladen, auch diesen Garten zu besuchen.

 

Ein weiteres Zitat von Hildegard von Bingen, das nicht nur die Zitronenmelisse, sondern die gesamte Pflanzenwelt meint, möchte ich als Abschluss dieser Veranstaltung im Raum stehen lassen:

 

„O edelstes Grün, das wurzelt in der Sonne
und leuchtet in klarer Heiterkeit
im Rund eines kreisenden Rades,
das die Herrlichkeit des Irdischen
            nicht faßt:
umarmt von der Herzkraft
himmlischer Geheimnisse
rötest du wie das Morgenlicht
und flammst in der Sonne Glut.
du Grün
bist umschlossen von Liebe.“

 

Heidi Schmidt
Gärtnermeisterin im Heilpflanzengarten Celle

 

Verwendete Literatur

 

Eine ausführliche Info-Broschüre zur Heilpflanze des Jahres ist erhältlich beim Verein NHV Theophrastus – Organisationsbüro –
Bayreuther Straße 12,
09130 Chemnitz,
Telefon: 0371–6665812,
Fax: 0371 – 6665813
E-Mail: orgbuero@nhv-theophrastus.de