Predigt am 8. Oktober

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herren Jesus Christus.

Die Texte, die wir gehört haben, handeln alle beide über eines: Über Gott und die Welt.  Über das Verhältnis zwischen beiden.  Über die Liebe Gottes für uns.  Wohin Gott uns stellt, sollen wir es zeigen: Gott liebt diese Welt!
Eine Zahl kennen an diesem Wochenende alle: Die Zahl 35 – die ist zwar als solches nicht weiter eindrucksweckend.  Wenn dann aber 6 Nullen dahinter stehen, hat man schon 35 Millionen.  Das ist die Zahl des gestrigen Tages gewesen.  Denn es waren 35 Millionen Euro im Lottojackpot für die höchste Gewinnklasse, das sind 6 Richtige mit Zusatzzahl.  Mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:140 Millionen haben Sie gewonnen.  Am Mittwoch hat das bei 29 Millionen € noch keiner.  Und wie das gestern aussah, das erfahren wir wohl morgen im Laufe des Tages.
Diese 35 Millionen € ist ja etwas, was viele – vielleicht auch Sie in der letzten Woche beschäftigt hat.  So einige werden dabei gewesen sein, die zwar ansonsten nicht Lotto spielen, aber für diese Gelegenheit mal eine Ausnahme gemacht haben.  Man kann ja eben doch nie wissen.  Und 1:140 Millionen – das ist zwar eine große Zahl, die gegen einen steht – aber wer weiß denn schon, es könnte ja doch hinkommen.  Darauf setzen Zigtausende von Menschen ihre Hoffnung.  Menschen, die sehen, dass es ihnen auf lange Sicht hin nur schlechter gehen wird, dass es eine Normalisierung anstatt eine weitere Steigerung unseres riesigen Wohlstandes geben wird und die schnell noch auf ein Stückchen vom Kuchen hoffen, bevor dann eines Tages nur noch Trockenbrot überbleibt. 
Mit dem Text der heutigen Predigt haben wir auch einen sehr hoffnungsbesetzten Text.  Jesaja spiegelt die Hoffnungen vieler Menschen seines Volkes wider, jetzt endlich wieder nach Hause zu kommen.  50 Jahre vorher wurde die Oberschicht des Volkes von den Babyloniern ins Exil deportiert, aber der Wunsch, wieder zurückzukehren, wieder Jerusalem sehen zu können, der ist wach geblieben. 
Und genau wie bei einem Lottogewinn war es auch damals: das große Unwahrscheinliche, dass, was zwar zu hoffen, aber trotzdem eben überhaupt nicht zu erwarten war – das ist Wirklichkeit geworden.  Und wenn solche Dinge geschehen, dann müssen sie weitererzählt werden.  Wer 29 oder 35 oder wieviel auch immer Millionen Euro gewinnt, der wird nicht einfach so und völlig ohne Regung sitzen bleiben.  Und genauso war es bei den Israeliten damals auch: Alle sollten es wissen, jeder sollte es sehen können und daran die großen Taten Gottes erkennen.  Sie sollten es zeigen: Gott liebt diese Welt.

Nicht nur die Israeliten zu Hause und in der Verbannung – nein: Diese Liebe sollte alle Völker etwas angehen.  Genau der Sprung vom eigenen Volk hin zur ganzen Welt, den – sie erinnern sich – Jesus hier in unserem heutigen Evangelientext auch gemacht hat, den finden wir bei Jesaja bereits vorbereitet.  Ein Sprung, der von den ersten Christen weiter praktiziert wurde, gleichzeitig auch ein Sprung, den wir heute auch immer noch machen müssen.  Vergleichbar mit dem Sprung von Otto Normalverbraucher hin zum Lottomillionär ist auch dies einer, bei dem wir nur gewinnen können.  Weg von Kleinstaaterei und hin zum Reich Gottes. 
Der große Unterschied zum Lottomillionär liegt allerdings darin, dass die Chancen dabei für uns nicht bei 1: 140 Millionen stehen.  Wir können das für uns 1:1 umsetzen.  Und wir können das auch weitertragen.  Das, was da bei Jesaja noch so furchtbar fern aussah, und was sich selbst bei Jesus für die, denen er begegnet ist, nur so hier und da in Wirklichkeit umgesetzt hat, das ist für uns, die wir nach Pfingsten leben, Bestandteil des Lebens.  Gott ist nahe.  Sein Heil ist bis an die Enden der Erde gebracht.
Die Enden der Erde heißt hier sicherlich auch Kapstadt, Feuerland und Südostasien.  Aber nicht nur, sondern ebenfalls: Winsen, Stelle, Hanstedt, Brackel und wo wir auch herkommen.  Sein Heil ist uns gebracht.  Daraus können wir, daraus können Sie uns ich immer wieder leben.  Und während einen 6 Richtige mit Zusatzzahl an diesem Wochenende im Handumdrehen unsagbar reich gemacht hätten, ist doch Gottes Heil etwas, das nicht nur unser Portemonnaie, sondern unser ganzes Leben angeht.  Etwas, das uns letztlich noch viel reicher machen kann.
Gott liebt diese Welt ist eben nicht nur ein nettes Lied, sondern will auch unsere Lebenserfahrung sein.  Dass wir aus Gottes Liebe heraus in den Tag gehen können, das sei auch heute wieder so.  Das kann auch jeden anderen Tag so sein.  Dann können auch wir ein solches Licht sein, von dem Jesaja hier spricht.  Ein Licht, an dem alle erkennen können, dass da ein Gott ist. 
Wohin er uns stellt sollen wir es zeigen: Gott liebt diese Welt!

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft,
bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Pastor Lars Neumann, Marschacht