Gottesdienst im Klostergarten auf der Landesgartenschau
24. Sept. 2006
12.00 Uhr
Gemeindereferentin Wiltrud Hartmann, St. Petrus, Buchholz

12.00 Vorspiel vom Posaunenchor
12.05  Begrüßung
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Posaunenchor: Harald Wießner  Schneverdingen

liturg. Eröffnung

Lied:            „Dich rühmt der Morgen…“  Nr. 3,1

Einführung: 
Hektik und Stress prägen oft unser Leben, oft mehr als wir wollen. Radio und Fernseher sind unsere ständigen Begleiter. Wir rennen von Termin zu Termin, denn es gibt soviel zu tun. Sogar in unserer Freizeit besteht die Gefahr, viel zu viel zu wollen. Die Palette der Angebote ist so verlockend. Die Angst, etwas zu verpassen, zwingt uns zu einem Dauerlauf, und in den Pausen bleibt nur eine Frage übrig: Wie schaffe ich all das? Ab und zu dringt sie durch, die Sehnsucht, einfach sein zu können, Tun im Nichtstun, meine Zeit bewusster leben zu können. Um dies zu fördern, brauch ich Termine / Nischen der Stille. Wir brauchen – mitten im Alltag – Oasen der Stille. Symbole u. Rituale können da hilfreich sein.
Auch ein Gottesdienst – so wie jetzt heute hier LGS – kann so ein Ort der Stille, der Ruhe sein.

Uhr betrachten….

 

Gebet:
Guter Gott, in uns lebt der Urwunsch still zu werden -
innerlich ruhig zu werden – einfach dasein zu können.
Schwer tun wir uns damit.
Komm du uns entgegen mit deinem ruhestiftenden  Geist.
Stärke in uns das Vertrauen vermehrt im Hier und Jetzt leben zu können.
Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn.Amen.

 

Bibl. Text:  Psalm 131

Lied:             „Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen..“  Nr. 52,1-3

Predigt          Kissen zeigen….

Kollekte ansagen:             Klostergarten

Lied:             „Bewahre uns Gott…“         Nr. 108,1-4

Fürbitten:
Guter Gott, unsere Zeit liegt in deinen Händen.
Du willst uns immer neu bewegen, bewusster mit
unserer Zeit umzugehen. Darum tragen wir dir
unsere Bitten vor:

  1. Schenk uns die Kraft, uns Zeit zu nehmen,
    für die Stille, um täglich aus deiner Quelle
    der Liebe schöpfen zu können.
    Herr, erbarme dich.

  2. Gib uns den Mut, beharrlich nach Wegen zu
    suchen, um uns nicht in der Hektik zu verlieren,
    sondern um damit gut umgehen zu können.
    Herr, erbarme dich.

  3. Wecke in uns die Gabe der Weisheit, um uns für
    das Wesentliche im Leben genügend Zeit zu
    nehmen: für Beziehung zu sich selber, den
    Menschen und zu dir.
    Herr, erbarme dich.

  4. Stärke in uns das Selbstvertrauen, um unserer
    Angst vor der Stille zu durchbrechen und um
    in der Stille deine Lebenskraft zu erfahren.
    Herr, erbarme dich.

 

Vater unser

Segen
Lebendiger Gott, dir vertrauen wir unsere Bitten
und unsere Zeit an. Bevor wir uns wieder auf den
Weg machen – hier durch die LGS – später dann nach Hause  - bitten wir dich um deinen Segen.
Segen

Segen

Lied:    „Gott gab uns Atem…“        Nr. 48,1-3

Bläserblüten

Predigt:       
Kissen zeigen… Bedürfnis zur Ruhe zu kommen…

Räume / Nischen der Stille

„Kann es etwas Schlimmeres geben, als dass wir uns in unserem eigenen
Haus nicht wohlfühlen? Wie können wir hoffen, in anderen Häusern /
Orten Ruhe zu finden, wenn wir sie im eigenen nicht zu finden
vermögen?“  so fragt die Mystikerin Teresa von Avila.
Diese Lebensweisheit lädt uns ein, zur Ruhe zu kommen und vermehrt
einzuüben, im Hier und Jetzt zu leben.
Denn überall wo ich bin, wo ich hingehe, nehme ich mich ja selbst mit.
Darum ist es entscheidend, dass ich bei  mir selbst innere Ruhe,
Heimat und Geborgenheit – eben Nischen der Stille – finde.
Aber wie sieht es so bei uns aus….
Unzählige  und unzählbare Worte dringen jeden Tag an unser Ohr:
Informationen, Berichte, Nachrichten, Lieder, Anfragen, Antworten…
Vieles hören wir schon gar nicht mehr, oder wollen es nicht hören.
Gegen diese laute und geschwätzige Welt gilt es, bewusst Orte /
Nischen der Stille aufzusuchen. Das kann eine Kirche sein, bei Kirchen-
Tagen gibt es die Räume der Stille, das ein Kloster sein oder z.B.in Taize
Ich möchte sie aber ermutigen, diese Zeiten und Orte der Stille in
ihrem Alltag zu schaffen.  z.B.
In der Frühe: Beim Kaffee  eine Viertelstunde der Stille. Ruhig werden
Daran denken, was an diesem Tag, der jetzt begonnen hat, auf einen
zukommt, wer auf einen zukommt, einem begegnet.
Wer so aus der Stille in den Tag hineingeht, der wird feststellen,
dass er ein ganz anderer geworden ist: viel offener.
Oder am Abend: Warum nicht bei einer Tasse Tee oder einem Glas
Wein? Den Tag, der nunmehr zu Ende geht, noch einmal vor seinem
inneren Auge „passieren“ zu lassen. An Menschen, Situationen denken.
Aus der Ruhe und aus dem Geschehenen kann sogar ein Gebet in einem
aufsteigen.
Oder auf einem Spaziergang oder, oder.
In unserer Zeit, in der wir  uns einander an unseren Leistungen messen,
tun wir gut daran, uns einmal zum Nichtstun zu ermutigen, zur Stille.
Vielleicht haben sie über das Kissen hier schmunzeln müssen. Das
Kissen soll für unser Bedürfnis stehen, abzuschalten, auszuruhen und
still zu werden.
Zum Schluss noch eine kleine Geschichte:
Zu einem einsamen Mönch kamen eines Tages Menschen. Sie fragten
ihn: “Was für einen Sinn siehst du in deinem Leben der Stille?“
Der Mönch war eben beschäftigt mit dem Schöpfen von Wasser aus
einer tiefen Zisterne. Er sprach zu seinen Besuchern: „Schaut in die
Zisterne! Was seht ihr?
Die Leute blickten in die tiefe Zisterne. „Wir sehen nichts!“
Nach einer kurzen Weile forderte der Einsiedler die Leute wieder
Auf: „Schaut in die Zisterne! Was seht ihr?“
Die Leute blickten wieder hinunter. „Ja, jetzt sehen wir uns selber!“
Der Mönch sprach: „Schaut, als ich vorhin Wasser schöpfte, war
Das Wasser unruhig. Jetzt ist das Wasser ruhig.
Das ist die Erfahrung der Stille: Man sieht sich selber!“