Predigt vom 23. Juli 2006 über Psalm 104


"Wer über diese Landesgartenschau geht, sieht an vielen Stellen wahrhaft Wunderbares. Ich denke an die wunderschönen Beete mit ihren wechselnden Bepflanzungen, an die Dahlien, die zu blühen anfangen, an die Terrassengärten im Eckermannpark, an die Blumenschauen im Zelt, an die Chinesische Kräuterapotheke, an die naturbelassenen Wiesen in der Flutmulde mit den blauen Glaskugeln, den Rosengarten am Schloss, aber auch an das Getreide, das schon hoch steht und den Herbst ankündigt, und natürlich auch an die Schaugräber. Wahrhaft Wundervoll das alles. Die Gärtner und Landschaftsarchitekten haben ganze Arbeit geleistet. Wer weiß, wie es hier vor der Landesgartenschau ausgesehen hat, muss mir zustimmen. Eine blühende Phantasie, das Motto der Landesgartenschau spricht Bände.

Sicherlich haben viele, sehr viele Hände daran gearbeitet, dass es jetzt hier grünt und blüht. Und viele Köpfe haben sich kluge Gedanken gemacht, wie alles zueinander passt und miteinander harmoniert. Viele Menschen sind verantwortlich dafür, dass hier alles so aussieht, wie es eben aussieht.

Gerade beim Bestaunen der wunderschönen Pflanzen, Gärten und Beete denke ich jedoch auch daran, dass hinter dem allen auch das schöpferische Handeln Gottes steckt. Keine Pflanze hier auf der Landesgartenschau und auf der ganzen Welt könnte der Mensch züchten und anbauen, wenn nicht dieses schöpferische Handeln Gottes schon da wäre. Das Staunen über die Farben- und Formenvielfalt, das Bewundern der neusten Züchtungen sollte dies immer mit im Blick haben. Und damit wird das Bestaunen über die Schönheit der Pflanzen hier auf der Landesgartenschau auch immer ein Loben Gottes beinhalten, dessen Schöpfung wir bestaunen.

Der Psalm 104, den wir vorhin gebetet haben, der versucht das auch. Der Psalmist zählt die Werke der Schöpfung auf und immer wieder kommt er dazu, Gott für seine wunderbaren Taten zu loben. Ich denke manchmal: Wenn heute einer einen Schöpfungspsalm schreiben sollte, dann käme er nicht mit einer Bibelseite aus, denn durch die Naturwissenschaften wissen wir heute soviel über die Zusammenhänge der Natur, wir sehen immer deutlicher, wie durchdacht alles ist, wie perfekt in der Schöpfung alles zusammenarbeitet, dass wir aus dem Staunen und Loben gar nicht wieder herauskommen.

Immer, wenn es in der Bibel um das schöpferische Handeln Gottes geht, geht es immer auch um ein Loben und Preisen dessen, dem wir die Schöpfung zu verdanken haben. Darum geht es auch völlig am Kern der Sache vorbei, wenn wir uns mit den Naturwissenschaftlern darüber streiten, ob die Entwicklung der Erde nun Milliarden von Jahren gedauert hat oder ob Gott alles in 7 Tagen geschaffen hat, ob Mensch und Affe gemeinsame Vorfahren haben oder ob der Mensch auf Adam und Eva zurückgeht. Das alles sind Themen, über die man sehr nüchtern diskutieren kann, wo man das Für und Wieder abwägen muss und dann seine Entscheidungen trifft, aber keine Fragen, an denen sich der Glaube entscheidet.

Die wirklich entscheidende Frage ist eine andere: kann ich hinter all dem Gottes Wirken noch erkennen? Gebe ich Gott als dem Schöpfer die Ehre - auf welchem Wege auch immer er die Erde und das Leben erschaffen haben mag - oder meine ich, dass es irgendwie doch alles Zufall ist, dass mein Leben, die Natur und alles, was ist, nur durch reinen Zufall entstanden ist?

An dieser Stelle lohnt sich der Streit wirk-lich, denn es macht einen gewaltigen Unterschied, ob wir nur Zufallsprodukte sind, oder geliebte Kinder des allmächtigen Vaters. Wenn wir nur Zufallsprodukte sind, dann macht das Loben des Schöpfers, das Danken für die Schöpfung keinen Sinn. Dann gibt es da niemandem, dem wir danken könnten, niemand, der sich für unsere Dankbarkeit interessiert, niemand der unseren Dank verdient hätte. Wir wären nichts weiter als Staubkörner in den unendlichen Weiten des Universums.

Dies mag für sich so glauben wer will, ich finde es wesentlich logischer, dem Weg der Bibel zu folgen und in den Wundern der Schöpfung das Werk des Schöpfers zu entdecken. Und nebenbei entdecke ich noch, dass es meiner Seele ausgesprochen gut tut, Gott zu loben.

Bei allem Lob über Gottes Schöpfung darf man eines nicht vergessen:
Wir leben selbstverständlich nicht im Schlaraffenland, wo die fertig gebratenen Tauben durch die Luft fliegen. Von allein blüht die Rose nicht, ohne menschliches Zutun gäbe es sicherlich immer mehr von dem, was umgangssprachlich Unkraut heißt, als vom Getreide. Gott schmeißt die Pflanzen nicht einfach so vom Himmel, sondern es muss eine Menge menschliche Arbeit hinzukommen. Es muss gesät und gepflanzt, gepflegt und natürlich gerade bei solch eine Wetter wie in diesem Sommer gewäs sert werden, damit dieses Wunder den Menschen auch zugute kommen kann. Ohne das menschliche Zutun wäre diese Landesgartenschau längst eine trockene Steppenwüste mit ein paar Bäumen drin. Alle, die dafür sorgen, dass es hier grünt und blüht wirken also mit, dass die Schöpfung Gottes sich entfalten kann.

Ich finde es schön, sich diese Zusammenhänge wieder einmal klar zu machen, sich einmal vor Augen zu führen, wie liebevoll und perfekt der Schöpfer alles für uns Menschen eingerichtet hat. Und dafür nehme ich es auch gern in Kauf, belächelt oder für naiv gehalten zu werden. Ich muss gestehen, mir kommt die Ansicht viel naiver vor, dass diese komplexen Systeme, die unser Leben ausmachen, von allein entstanden sein sollen, einfach so per Zufall.

Gottes ziemlich perfekte Schöpfung kann man nur bewundern und bestaunen - auch und gerade hier auf dieser Landesgartenschau. Die Schöpfung Gottes ist aber auch mehr als die blühenden Pflanzen, die Bäume, die voller Obst hängen, oder auch die Tiere dieser Welt. Wir sind selber Bestandteil dieser Schöpfung. Der Mensch steht nicht außerhalb der Schöpfung als Betrachter, sondern ist selber Teil der Schöpfung. Was den Menschen allerdings unterscheidet von allen anderen Geschöpfen ist, dass der Mensch in der Lage ist, diese Schöpfung zu zerstören. Auch wenn beim Betrachten der Landesgartenschau das sicherlich weit in den Hintergrund geraten kann: das ernst gemeinte Lob der Schöpfung Gottes ist nicht denkbar ohne das Streben danach, diese Schöpfung zu bewahren. Wer Gott, dem Schöpfer dankt, kann Gottes Werk nicht der Zerstörung durch andere preisgeben, sondern muss sich einsetzen für die Erhaltung dieser wundervollen Natur, der Umwelt, dem Ökosystem Erde oder kurz der Schöpfung Gottes.

Wenn der Mensch ein Teil dieser Schöpfung ist, die er erhalten und bewahren muss, dann gilt dies auch für den Umgang mit den Mitmenschen, die Mitgeschöpfe sind. Wer den Schöpfer lobt, muss die Schöpfung bewahren. Wer aber die Schöpfung bewahren will, der muss sich auch für den Frieden auf Erden einsetzen. Denn Krieg ist immer auch Zerstörung und damit das Gegenteil einer Bewahrung und Erhaltung.

Das Lob des Schöpfers, es steht im Mittelpunkt von Psalm 104. Das Lob des Schöpfers, es kann und sollte uns begleiten, hier beim Erkunden der Landesgartenschau und in unserem Alltag. Ein kurzes "Gott sei Dank!", das uns scheinbar eher zufällig auf die Lippen kommt, kann ein Anfang sein, in ein großes Loben der Schöpfungsmacht und -kraft Gottes einzustimmen, so wie es der Verfasser in Psalm 104 macht:

Die Herrlichkeit des Herrn bleibe ewiglich, der Herr freue sich seiner Werke! Ich will singen dem Herrn mein Leben lang und loben meinen Gott, so lang ich bin.

Amen."

Roland Arndt
Prädikant im Kirchenkreis Winsen