Andacht Landesgartenschau am Freitag, 23. Juni 2006

Musik zum Einstimmen:  CD „Ich lobe meinen Gott…“ Chormusik aus dem Kirchenkreis Winsen

Begrüßung und Vorstellung

Gebet: Ich lese den 100. Psalm in einer modernen Übersetzung (Spangenberg: Ich höre meine Stimme“)

Ihr seht in den Spiegel Gottes
Jauchzt dem Herrn, alle Welt!

„Erde, Mensch und Himmel und alle Kreatur:
Zeigt eure Freude über Gott,

Wir singen das Lied Nr. 54 – Freuet euch der schönen Erde, denn sie ist wohl wert der Freud…

Wir beten
Gott, du lädst uns ein, allezeit zu beten und nicht müde zu werden. Gott, ich habe es versucht mit dem Beten. Und ich habe gemerkt, dass mein Gebet mich selbst verändert. Wenn ich vor dir an die Menschen denke, die mir Not machen und mit denen ich es schwer habe, finde ich eine neue Einsstellung zu ihnen. Vor dir erkenne ich auch in ihnen deine geliebten Kinder. Wenn ich dir die Nöte meiner Schwestern und Brüder in der Welt klage, wird mir bewusst, dass du mich gebrauchen willst, um ihr Schicksal zu verbessern. Amen.

Ich lese Ihnen drei verschiedene Texte über das Beten vor. Zwischendurch hören wir Meditationsmusik.

Der betende Gaukler aus Hubertus Halbfas: Der Sprung in den Brunnen:

Es war einmal ein Gaukler, der tanzend und springend von Ort zu Ort zog, bis er des unsteten Lebens müde war. Da gab er alle seine Habe hin und trat in das Kloster zu Clairveaux ein. Aber weil er sein Leben bis dahin mit Springen, Tanzen und Radschlagen zugebracht hatte, war ihm das Leben der Mönche fremd, und er wusste weder ein Gebet zu sprechen noch einen Psalter zu singen.
So ging er stumm umher, und wenn er sah, wie jedermann das Gebetes kundig schien, aus frommen Büchern las und mit im Chor die Messe sang, stand er beschämt dabei: Ach, er allein, er konnte nichts. “Was tu ich hier?“ sprach er zu sich, „ich weiß nicht zu beten und kann mein Wort nicht machen. Ich bin hier unnütz und der Kutte nicht wert, in die man mich kleidete.“
In seinem Gram flüchtete er eines Tages, als die Glocke zum Chorgebet rief, in eine abgelegene Kapelle. „Wenn ich schon nicht mitbeten kann im Konvent der Mönche,“ sagte er vor sich hin, „so will ich doch tun, was ich kann.“ Rasch streifte er das Mönchsgewand ab und stand da in seinem bunten Röckchen, in dem er als Gaukler umhergezogen war. Und während vom hohen Chor die Psalmgesänge herüberwehen, beginnt er mit Leib und Seele zu tanzen, vor- und rückwärts, links herum und rechts herum. Mal geht er auf seinen Händen durch die Kapelle, mal überschlägt er sich in der Luft und springt die kühnsten Tänze, um Gott zu loben. Wie lange auch das Chorgebet der Mönche dauert, er tanzt ununterbrochen, bis ihm der Atem verschlägt und die Glieder ihren Dienst versagen.
Ein Mönch war ihm aber gefolgt und hatte durch ein Fenster seine Tanzsprünge mit angesehen und heimlich den Abt geholt. Am anderen Tag ließ dieser den Bruder zu sich rufen. Der Arme erschrak zutiefst und glaubte, er solle des verpassten Gebetes wegen gestraft werden. Also fiel er vor dem Abt nieder und sprach: „Ich weiß, Herr, dass hier meines Bleibens nicht ist. So will ich aus freien Stücken ausziehen und in Geduld die Unrast der Straße wieder ertragen.“ Doch der Abt neigte sich vor ihm, küsste ihn und bat ihn, für ihn und alle Mönche bei Gott ein zu stehen: „In deinem  Tanze hast du Gott mit Leib und Seele geehrt. Uns aber möge er alle wohlfeilen Worte verzeihen, die über die Lippen kommen, ohne dass unser Herz sie sendet.“

Meditationsmusik

Der beste Ort zum Beten aus Theophan der Mönch – Das Kloster jenseits der Zeit.

Ich fragte einen ergrauten Mönch: „Wie überwinde ich die Angewohnheit, mich zum Richter über andere Menschen aufzuspielen?“
Er antwortete: „ Als ich so alt war wie du, wollte ich wissen, wo wohl der beste Ort zum Beten sei. Ich stellte Jesus die Frage. Seine Antwort lautete: „Warum gehst du nicht in das Herz meines Vaters?“ Das tat ich. Ich begab mich in das Herz des Vaters. Dort habe ich während all der Jahre seitdem meine Gebete verrichtet. Heute sehe ich jeden Menschen an wie mein eigenes Kind. Wie könnte ich da über einen von ihnen den Stab brechen?“  

Meditationsmusik

Ein Text von Metropolit Anthony aus dem Loccumer Brevier

Es schreibt ein Priester, was er mit einer alten Dame erlebt hat.
„Ich erinnere mich, dass unter den ersten Ratsuchenden, die nach meiner Priesterweihe zu mir kamen, eine alte Dame war, die klagte: „Vierzehn Jahre lang habe ich fast ununterbrochen gebetet, doch nie habe ich das Gefühl von der Gegenwart Gottes gehabt.“ Da fragte ich sie: “Haben Sie ihm Gelegenheit gegeben, ein Wort einzuwerfen?“ „Wie das?“ entgegnete sie. „Nein, ich habe die ganze Zeit zu ihm gesprochen, ist das nicht etwa Beten?“ „Nein, „ sagte ich, „ich glaube nicht, und was ich ihnen empfehle, das ist, dass Sie sich täglich eine Viertelstunde nehmen sollten, einfach dasitzen und vor dem Angesicht Gottes stricken.“ So machte sie es. Und was war das Ergebnis? Schon bald kam sie wieder und sagte: “Das ist ganz merkwürdig… Wenn ich zu Gott bete, genauer, wenn ich zu ihm spreche, fühle ich nichts, doch wenn ich still dasitze, ihm gegenüber, dann fühle ich mich in seine Gegenwart eingehüllt.“

Man wird nie imstande sein, wirklich und aus ganzem Herzen zu Gott zu beten, wenn man nicht lernt, zu schweigen und sich an dem Wunder seiner Gegenwart zu erfreuen oder, anders gesagt, glücklich zu sein über das Wunder des Zusammenseins mit ihm, obgleich man ihn nicht sieht.

Wir singen das Lied Nr. 114 – Vertraut den neuen Wegen….

Wir sind nicht gottverlassen allein unterwegs. Gott verheißt uns Segen.

Gott allen Trostes und aller Verheißung, segne uns und behüte uns,
begleite uns mit deiner Liebe, die uns trägt und fordert; lass dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig, denn deine Güte schafft neues Leben; wende dein Angesicht uns zu und schenke uns Heil; lege deinen Namen auf uns, und wir sind gesegnet.  Amen

Heidrun Baumgarten, Prädikantin – St. Marien, Winsen/Luhe